I. Merian und die Tradition der Alchemica illustrata in Frankfurt

Als Matthäus Merian d.Ä. 1616/17 begann, für Johann Theodor de Bry und Lucas Jennis zu arbeiten, fiel dies mit dem Beginn der intensivierten Alchemica illustrata-Produktion dieser eng verbundenen Verlagsbetreiber zusammen. Der Verlag De Brys befand sich zu diesem Zeitpunkt im liberaleren Oppenheim, Jennis betrieb sein Unternehmen in Frankfurt. Die günstige Verbindung verschiedener Aspekte – ein besonderes Verhältnis zum Bild als Medium und auch das Zusammentreffen mit Matthäus Merian d.Ä. – führte dazu, dass die Kupferdruckereien dieser Verlage für eine kurze Zeit das europäische Produktionszentrum für die Bebilderung der Alchemie waren.
Somit sahen sich Merian und seine Künstlerkollegen großen Bildaufgaben gegenüber, jedoch konnten sie sich – zumindest partiell – auf eine differenzierte ikonographische Tradition in Frankfurt hergestellter illustrierter Alchemiebücher berufen. Beispielweise wurde die Alchymia, das erste alchemistische Lehrbuch der Frühen Neuzeit, im Jahre 1606 in Frankfurt als illustrierte Version publiziert. Das 1550 in Frankfurt gedruckte Florilegium De alchemia gilt als der erste (teils) deutschsprachige Druck der Alchemieliteratur der Frühen Neuzeit. Zugleich markiert die Schrift, die das berühmte alchemische Rosarium philosophorum aufnimmt, den Beginn der in Frankfurt realisierten Publikationen im Themenfeld der spirituellen Alchemie, deren Ziel die innere Wandlung – die Reinigung und Transmutation – des Adepten war. Merian nutzte die Illustrationen von 1550 als Vorlagen für seinen großartigen Bildzyklus für das mythoalchemische Emblembuch Atalanta fugiens (1617/18). In den Verlagen wurden entsprechend mit großer Sicherheit nicht nur die eigenen Bilder gesammelt, auch illustre Gäste, weitgereiste Freunde und die jeweiligen Buchautoren brachten ikonographische Ideen ein. Merian ebenso wie seine gleichfalls produktiven Kollegen Balthasar Schwan, Eberhard Kieser oder Georg Keller konnte sich überdies alljährlich auf der Frankfurter Messe umschauen und die neuesten Entwicklungen studieren.

Matthäus Merian d.J., Matthævs Merian Senior Bibliopola et Iconographvs CeleberrPorträt Matthäus Merian d.Ä., Vorderseite von Memoria Merianaea. sive Epicedia, In praematurum et luctuosum Obitum, Francofurti: Hoffmannus 1650, Grabstichelarbeit und Radierung, UB Frankfurt, Portr.Slg. Holzhausen 661a

„Jedermann kennt Merian den Älteren als den großen Kupferstecher und Typographen Deutschlands zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges.“ Diese Aussage stammt von dem Schweizer Kunsthistoriker und wichtigstem Merian Experten Lucas Heinrich Wüthrich. Vor allem wurde Matthäus Merian der Ältere (1593-1650) mit den Radierungen, weiterlesen…

Sebastian Furck (1589-1655), Widmungsblatt mit Porträt Matthäus Merian d.Ä., Frankfurt, um 1630/40, bezeichnet: Natus Basilea / A° 1593. 22. Septe(m)b: London, British Museum, Inv. Nr. 1934,0217.33

Das oval eingefasste Porträt ist zu Lebzeiten Merians d.Ä. im Zeitraum um 1630/1640 entstanden. Es ist der wesentliche Bestandteil eines Widmungsblattes, das der Frankfurter Arzt und Jurist Ludwig von Hörnigk (1600-1667) initiiert hat. Eine kräftige und elegante Strichführung mit dem Grabstichel zeichnet das Porträt weiterlesen…

Johann Theodor de Bry, Selbstporträt 1615, Verso des Titelblattes in Robert Fludd, Anatomiae Amphitheatrum effigie triplici, more et conditione varia, designatvm, Frankfurt a.M.: Johann Theodor de Bry 1623, UB Frankfurt, Sign. 8° P 5.51, (Abbildungen im UB-Exemplar nicht enthalten), hier gezeigt Exemplar Westfälisches Landesmuseum Münster, Porträtarchiv Diepenbroick, Inv. Nr. C-511983 PAD

Das schon 1615 angefertigte Selbstporträt stellt Johann Theodor de Bry (1561-1623) in seinem 54. Lebensjahr dar. Sein Schwiegersohn Johannes Ammonius Ambergensis war der Verleger des Widmungsblattes, welches sich, was zunächst erstaunlich scheint, eingebunden in Robert Fludds Abhandlung Anatomiae Amphitheatrum effigie Triplici, more et conditione varia, designatum von 1623 befindet. weiterlesen…

Verlagskatalog des Lucas Jennis (1590-nach 1630) von 1622, Catalogus omnium librorum, qui ab anno 1616 maximae partis-sumptibus Lucae Iennis Bibliopolae Moeno-Francofurtensis sunt editi Das ist: Verzeichnüß aller Bücher, so Lucas Iennis, Frankfurt: Lucas Jennis 1622, BSB München, Sign. Cat. 743 p

Als Sohn eines aus Brüssel eingewanderten Goldschmieds in Frankfurt geboren, bekam Lucas Jennis (1590-nach 1630) nach dem Tod des leiblichen Vaters im Jahre 1607 Johann Israel de Bry (gest. 1609) zum Stiefvater. Jennis wurde somit Mitglied der calvinistischen Verlegerfamilie De Bry. weiterlesen…

Johann Theodor de Bry, Lucas Jennis und die Bilder der Alchemie

Im engen Austausch mit Buchautoren, illustren Freundesnetzwerken und talentierten Künstlern machten De Bry und Jennis ihre Verlage nicht nur zu kreativen Bildermanufakturen, sondern zu den wesentlichen Treibern der Bebilderung der Alchemie in der Frühen Neuzeit. Beide Verleger wiesen Bildern und Diagrammen – kuenstlichen Figuren – in den Chymische(n) Tractaten eine immense Eigenbedeutung zu. Bilder bedurften nach dieser (teils heftig kritisierten) Auffassung keines erklärenden Textes, man verstand sie ebenso wenig als Modell. weiterlesen…

Matthäus Merian d.Ä. und die Bebilderung der Alchemie

Bereits vor seiner Tätigkeit als anerkannter Verleger mit enzyklopädischem Repertoire schuf der junge Merian Bilder, die in das kulturelle Bildgedächtnis der Menschheit eingegangen sind. Mit dem Datum seiner Anstellung bei dem Verleger Johann Theodor de Bry erarbeitete sich Merian ab 1617 die Position als der Ikonograph der Alchemie. weiterlesen…

Matthäus Merian d.Ä., Titelblatt für Tomaso Garzoni, Piazza Vniversale, das ist: Allgemeiner Schauwplatz oder Marckt vnd Zusammenkunfft aller Professionen Künsten Geschäfften Händlen vnd Handtwercken so in der gantzen Welt geübt werden: Deßgleichen Wann vnd von wem sie erfunden, Frankfurt, Jennis 1619, UB Frankfurt, Sign. Q 16/69

Bei der Betrachtung und Beurteilung der intensiven Illustrationstätigkeit, die Merian ab 1617 für De Bry und Jennis ausgeführt hat, darf nicht vergessen werden, dass dieselbe verschiedene, den beiden Verlagsprogrammen entsprechende Themenfelder berührte. Merian bebilderte auch zahlreiche Publikationen, die sich nicht mit Alchemie, Iatrochemie oder Naturmagie beschäftigten, sondern beispielsweise mit dem typisch frühnzeuzeitlichen Versuch, alle Berufe der Welt zwischen zwei Buchdeckeln zu erläutern. weiterlesen…

Tradition der Alchemiebücher in Frankfurter Verlagen vor 1615

Georg Keller, Titelblatt für Andreas Libavius, Alchymia, Frankfurt: Peter Kopff 1606 und Alchemisches Emblem in Commentariorum alchymiæ, Teil II, De lapide philosophorum, Tractus IV, S. 51, UB Frankfurt, Sign. Occ. 29

Alchymia gilt als erstes alchemistisches Lehrbuch der Frühen Neuzeit. Dort systematisierte der in Halle geborene Arzt, Universitätsgelehrte und zeitweise Stadtphysikus von Rothenburg ob der Tauber Andreas Libavius (1555-1616) praktische Informationen über das damals bekannte Wissen zur (Al)Chemie. weiterlesen…

Georg Keller (?), Bilderfolge Stein der Weisen in Andreas Libavius, Alchymia, Frankfurt: Peter Kopff 1606, Teil II, De lapide philosophorum, Tractus IV,Commentariorum alchymiæ, hier S. 53 und 55, UB Frankfurt, Sign. Occ. 29 weiterlesen…

Martin Ruland d.J., Lexicon Alchemiae sive dictionarivm alchemisticvm, Frankfurt: Zacharias Palthenius 1612, UB Frankfurt, Sign. GI 1813

Das Lexicon Alchemiae von Martin Ruland d.J. (1569-1611) erschien ein Jahr nach dessen Tod in Frankfurt am Main bei Zacharias Palthenius. Es ist der ausführlichste von mehrfach unternommenen Versuchen, einen lexikographischen Überblick über die Terminologie der Alchemie zu erstellen. Während die Nomenklatur chemischer Elemente und Verbindungen heute universell definiert ist, weiterlesen…

Aegidius Sadeler, Titelblatt für Oswald Croll, Basilica chymica. Continens philosophicam propria laborum experientia confirmatam descriptionem et usum remediorum chymicorum selectissimorum et lumine gratiae et naturae desumptorum, Frankfurt: Claude de Marne (Marnius) und Erben des Johann Aubry (Aubrius) 1609, UB Frankfurt, Sign. 4° R 808.7171 (und Ausgabe Frankfurt: Tampach 1611, Sign. 4° R 808.7172; Ausgabe Genf: Albert 1631, Sign. GI 599)

Deutsche Ausgabe Oswald Croll, Basilica chymica oder Alchymistisch Königlich Kleynod: Ein philosophisch, durch sein selbst eigne Erfahrung, confirmirte u. bestättigte Beschreibung u. Gebrauch der aller fürtrefflichsten chimischen Artzneyen so auß dem Liecht der Gnaden u. Natur genommen, Tambach: Gottfridt/Godfrid 1623, UB Frankfurt, Sign. Occ. 822

Oswald Crolls Basilica chymica (1609) ist einer der Meilensteine der Alchemica-Literatur, weiterlesen…

Tradition der Alchemiebücher im 16. Jahrhundert

Peter Kerzenmacher, Alchimia: Das ist Alle Farben, Wasser, Olea, Salia vnd Alvminia, damit mann alle Corpora, Spiritvs vnnd Calces Prepariert, Sublimiert vnnd Fixiert, zubereyten, Frankfurt: Christian Egenolffs Erben1570, Occ. 1087 Nr. 1 weiterlesen…

Titelblatt und Conjunctio sive coitus, in: Rosarium philosophorum, secunda pars alchimieae; de lapide philosophico vero modo praeparando, Frankfurt: Cyriakus Jakob 1550, Holzschnitt, UB Frankfurt, Sign. Occ. 850

Das Rosarium philosophorumRosengarten der Philosophen (dt. Übersetzung) – ist der zweite Teil der alchemischen Sammelschrift De alchimia opuscula complvra vetervm philosophorum. Das Florilegium De alchemia gilt als der erste (teils) deutschsprachige Druck der Alchemieliteratur der Frühen Neuzeit. Zugleich markiert die Schrift den Beginn der in Frankfurt realisierten Publikationen im Themenfeld der spirituellen Alchemie, deren Ziel die innere Wandlung – die Reinigung und Transmutation – des Adepten ist. weiterlesen…

,Bilderpool‘ im Verlagshaus – Paradies für Künstler

hier gezeigt: Occulta Philosophia: Von den verborgenen Philosophischen Geheimnussen der heimlichen Goldblumen/ und Lapidis Philosophorum, was derselbige: und wie zu Erlangung dessen zu procediren/ außführlicher Bericht in einem Philosophischen Gespräch verfasset, Frankfurt: Johann Bringer 1613, S. 54, HAB Wolfenbüttel, Sign. M: Nd 14 (1) weiterlesen…

Hans Vredeman de Vries, Theosophische Figur des Oratorium & Laboratorium, gezeichnet Hans von de Vries und gestochen von Paullus van der Doort, 1595; erneut gestochen von Van der Doort, 1602, in: Heinrich Khunrath, Amphitheatrum Sapientiae Aeternae, Hanau: Wilhelm Anton, 1609, ULB Sachsen-Anhalt, Sign. AB 171174

This circular image of the Oratory-Laboratory first appeared in the rare 1595 edition of Heinrich Khunrath’s Amphitheatre of Eternal Wisdom, as a hand-coloured engraving surrounded by text radiating outwards from the central image like spokes of a wheel. In the 1609 edition, the surrounding text has been removed and placed in the main text as an Isagoge or Introduction to each engraving. Khunrath never discusses the sequence of these images, but comparison of the surviving 1595 copies makes it clear that the four images are in this order, weiterlesen…

Johann Diricks van Campen, Hieroglyphische Figur mit dem Text der Tabula Smaragdina, 1602, in: Heinrich Khunrath, Amphitheatrum Sapientiae Aeternae, Hanau: Wilhelm Anton, 1609, ULB Sachsen-Anhalt, Sign. AB 171174

The original 1595 edition of the German Theosopher Heinrich Khunrath’s (1560-1605) Amphitheatre of Eternal Wisdom contains four circular Theosophical Figures, which are supplemented in the later 1609 edition with five double-page rectangular Hieroglyphic Figures. This rectangular engraving from the enlarged, second edition represents, in Khunrath’s words, “a depiction of those Triumphal Rocky Pyramids“, weiterlesen…

Johann Sadeler d.Ä., nach Maerten de Vos, Serie der Planetenkinder (Planetarum effectus et eorum in signis zodiaci), 1585, hier: Saturn, bezeichnet Joan. Sadler scalp. et excud. / M. de Vos figurauit; SATURNUS

Johann Sadelers d.Ä. (1550-1600) Kupferstich gehört zur Reihe der seit dem Mittelalter beliebten Planetenkinderdarstellungen und thematisiert den saturnischen Einfluss auf die Erdenbewohner. Derartige Darstellungen erfreuten sich großer Beliebtheit, da sie das Verständnis des Einflusses der Gottheiten auf das menschliche Leben für alle verständlich darstellten und greifbarer machten. weiterlesen…

Johann Sadeler d.Ä., Darstellung der Alchemie als lesender Magier, Detail Planetenkinder (s.o.) weiterlesen…

Zwölfter Schlüssel des Basilius Valentinus, Radierung von Johann Theodor de Bry / Balthasar Schwan, in: Michael Maier, Tripus aureus, Frankfurt: Lucas Jennis 1618, UB Frankfurt, Sign. Occ. 1148,1

Zwölfter Schlüssel des Basilius Valentinus, Holzschnitte, in: Basilius Valentinus, Ein kurtzer summarischer Tractat Fratris Basilii Valentini Benedectiner Ordens. Von dem grossen Stein der uhralten, […] mit seinen zugehörigen Figuren, […] Benebenst einem bericht/ von den fürnembsten Mineralien und ihren eigenschafften, Leipzig: Jakob Apel 1602, ULB Sachsen-Anhalt, Sign. Hb 5012 (1)

Für die Illustrierung des 1618 im Tripus aureus veröffentlichten Basilius Valentinus-Traktats, weiterlesen…

Das künstlerische Verhältnis von Johann Theodor de Bry, Matthäus Merian d.Ä. und Balthasar Schwan

hier gezeigt: Johann Theodor de Bry / Balthasar Schwan unter Mitarbeit von Matthäus Merian d.Ä. (?), Titelblatt für Michael Maier, Tripus aureus, Frankfurt: Lucas Jennis 1617, Detail, UB Frankfurt, Sign. Occ 1148,1 weiterlesen…

Balthasar Schwan, Titelblatt für Johann Daniel Mylius, Philosophia reformata, Frankfurt: Lucas Jennis 1622, UB Frankfurt, Sign. Occ. 1054 (und weiteres Exemplar 8° P 192.5056)

Die Philosophia reformata von 1622 wurde von Johann Daniel Mylius (1583-1631) herausgegeben, umfasst zwei Bücher und entspricht paradigmatisch dem alchemischen Verlagsprogramm des Verlegers. Es handelt sich um eine grundlegende Abhandlung, die sich mit der spirituellen und theoretischen Alchemie sowie der praktischen Ausübung auseinandersetzt. weiterlesen…

Balthasar Schwan, Personifikation der vier Elemente, Detail aus Johann Daniel Mylius, Philosophia reformata, Frankfurt: Lucas Jennis 1622, UB Frankfurt, Sign. Occ. 1054 (und weiteres Exemplar 8° P 192.5056)

Die beiden Bücher der Philosophia reformata enthalten insgesamt drei Kupferstichserien bzw. Bildzyklen. Die 64 Kupferstiche befinden sich, bis auf einen Stich, alle im ersten Buch und entstammen der Hand des wenig erforschten Balthasar Schwan (gest. 1624). Seine Signatur – Baltzer Schwan fecit – ist auf dem Titelkupfer zu sehen. Vielfach haben sich seine Illustrationen auf Bildfindungen bezogen, weiterlesen…