Sadeler nach De Vos, Planetenkinder des Saturn

Rijksmuseum Amsterdam (NL), (CC0 1.0 Universal) Public Domain Dedication, zur Abbildung in der Sammlung des Rijksmuseums

Johann Sadeler d.Ä., nach Maerten de Vos, Serie der Planetenkinder (Planetarum effectus et eorum in signis zodiaci), 1585, hier: Saturn, bezeichnet Joan. Sadler scalp. et excud. / M. de Vos figurauit; SATURNUS, Rijksmuseum Amsterdam, Inv. Nr. RP-P-OB-7465

Bildunterschrift:

Falciger ignivomis per celsa draconibus astra / Vectus, ad imbriferi capricorni sidera tendens, / Cui ferus obliqua subsedit Aquarius urna; / Possidet expositum quidquid sub sole cadente est: / Submersamque Helicen, Russos, Bavarosque, Getasque, / Oxoniam, Augustam, et Macedum campestria rura. / Hic artes studium quetrahet, terraeque fodinas, / Materiem que manu certa duplicarier arte.

Der Sicheltragende fährt durch die hohen Sterne auf feuerspeienden Drachen / und lenkt zum Gestirn des regenbringenden Steinbocks; / hinter ihm ist der wilde Wassermann mit dem schrägen Wasserkrug niedergegangen; / er hat alles in Besitz, was unter der untergehenden Sonne offen daliegt: / Das untergegangene Helike, die Russen, die Bayern, die Geten; / Ox-ford, Augusta und die ebenen Gefilde der Mazedonier. / Hier wird er die Wissenschaften und das Studium fördern und die Neigung, die Minen der Erde / und die Materie mit sicherer Hand durch Kunst zu vermehren.[1]

Johann Sadelers d.Ä. (1550-1600) Kupferstich gehört zur Reihe der seit dem Mittelalter beliebten Planetenkinderdarstellungen und thematisiert den saturnischen Einfluss auf die Erdenbewohner. Derartige Darstellungen erfreuten sich großer Beliebtheit, da sie das Verständnis des Einflusses der Gottheiten auf das menschliche Leben für alle verständlich darstellten und greifbarer machten. Die verschiedenen Götterdarstellungen zeigen den Einfluss, den die jeweiligen Gottheiten auf die Menschen in verschiedenen Lebensphasen haben und stellen so die Verbindung des irdischen Lebens mit der Göttlichkeit dar. Genauso stark glaubte man daran, dass der Moment, in dem man geboren wurde, den Verlauf des Lebens beeinflussen und so die Planeten die wichtigsten Entscheidungen in allen Lebensphasen steuern würden.[2]

Die zweiteilige Bildkomposition ist klar in eine obere und eine untere Hälfte aufgeteilt. Während das obere Segment das überirdische Geschehen in Szene setzt, breitet sich vor dem Betrachterauge unterhalb des halbkreisförmig geschwungenen Wolkenbandes eine weit in die Ferne gestaffelte Landschaft aus. Dem Schema der Weltlandschaft entsprechend schlängelt sich ein Gewässer in die Ferne. Auf den vielen aufragenden Hügeln bebaut und urbanisiert der emsig tätige Mensch in Blickrichtung eines ansteigenden Gebirges die Erde und bildet variationsreiche architektonische Silhouetten aus. Oberhalb der Welten- und Kunstlandschaft lenkt Saturn in monumentaler Gestalt mit machtvoller Gestik und voller Energie seinen Streitwagen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die beiden drachenähnlichen Wesen, die mit einigem Kraftaufwand den Wagen von rechts nach links ziehen. Eine kleine Figur, ein nackter Knabe, befindet sich auf dem Boden des Wagens. Saturn anblickend kniet der kleine Lockenkopf – huldvoll um sein Leben bittend – vor dem Planetengott, dessen muskulöser Körper nur von einem Tuch umspielt wird. In der rechten Hand trägt er sein Attribut – die Sichel. Saturns Kopf ist im Profil gezeigt, während sein prachtvoller Körper in einer Dreiviertelansicht zu sehen ist. Die dem Saturn zugeordneten Sternzeichensymbole und -figuren – Steinbock und Wassermann – befinden sich jeweils in den Bildecken oberhalb der Planetenbahnen und Himmelssphären, die den Hintergrund der oberen Bildhälfte einnehmen und die segmentbogenförmige Anordnung der Komposition vorgeben.

Das mächtige, die Erde überfangende Wolkenband schlägt eine bemerkenswerte Brücke zu den detailreichen szenischen Darstellungen auf der Erde, da es am rechten unteren Rand in direkten Kontakt zu den irdischen Vorgängen kommt. Saturn, auch Gott des Ackerbaus, greift aus der himmlischen Ebene in das irdische Geschehen ein und beeinflusst dieses, indem der – unter dem Einwirken des regenbringenden Steinbocks[3] – aus den Wolken austretende Regen das zerstörerische Feuer auf den bestellten Feldern löscht. Die beiden Bereiche sind optisch getrennt, gleichzeitig jedoch eng miteinander verbunden und stellen so das Verhältnis des Göttlichen und des menschlichen Lebens dar. Das irdische Leben ist stark von den Planetenkonstellationen und der Herrschaft der Sterne abhängig. Gleichwohl kann der Mensch mithilfe der saturnischen Patronage die irdischen Vorgänge mithilfe von ars – gemeint sind explizit auch Alchemie und der Magie – beeinflussen. Entsprechend sind die Darstellungen der Minenarbeiter und des buchgelehrten Magiers in den im Vordergrund gezeigten Höhlen zu werten.

Rebekka Marie König


Literatur

Hollstein Dutch and Flemish etchings, engravings and woodcuts, Bd. 21f. Aegidius Sadeler to Raphael Sadeler II, 2 Bde., Amsterdam 1980, Nr. 1384 Serie (Hollstein 1380-1387); Veldman, Ilja Markx, De macht van de planeten over het mensdom in prenten naar Maarten de Vos, in: The Rijksmuseum bulletin (Bulletin van het Rijksmuseum), 31, H.1 (1983), S. 21-53; Meißner, Lidia, Sadeler, Planetarum Effectus, in: Wenderholm, Iris (Hg.), Akat. Manier, Mythos und Moral. Niederländische Druckgraphik um 1600, Petersberg 2014, S. 54-60, bes. S. 58f.; Klingner, Annett, Die Macht der Sterne. Planetenkinder: ein astrologisches Bildmotiv in Spätmittelalter und Renaissance, Dissertation, Berlin 2017, S. 223 (https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/19957).

Endnoten
  1. Zit. nach Meißner, Lidia, Sadeler, Planetarum Effectus, in: Manier, Mythos und Moral. Niederländische Druckgraphik um 1600, hg. von Iris Wenderholm, Petersberg 2014, S. 54.

  2. Klingner, Annett, Die Macht der Sterne. Planetenkinder: ein astrologisches Bildmotiv in Spätmittelalter und Renaissance, Berlin 2017, S. 223.

  3. Übersetzung Titelfeld.