Furck, Porträt Merian d.Ä.

© The Trustees of the British Museum, London (UK), (CC BY-NC-SA 4.0)

Sebastian Furck (1589-1655), Widmungsblatt mit Porträt Matthäus Merian d.Ä., Frankfurt, um 1630/40, bezeichnet: Natus Basilea / A° 1593. 22. Septe(m)b:, London, British Museum, Inv. Nr. 1934,0217.33

Das oval eingefasste Porträt ist zu Lebzeiten Merians d.Ä. im Zeitraum um 1630/1640 entstanden. Es ist der wesentliche Bestandteil eines Widmungsblattes, das der Frankfurter Arzt und Jurist Ludwig von Hörnigk (1600-1667) initiiert hat. Eine kräftige und elegante Strichführung mit dem Grabstichel zeichnet das Porträt des berühmten Kupferstechers Matthäus Merian aus. Hierbei sind eine dynamische Plastizität und die Lebhaftigkeit der dargestellten Persönlichkeit hervorzuheben. Das Licht, das von links auf das Gesicht des Dargestellten fällt, zieht den Betrachterblick auf die ausdrucksvollen Augen des Kupferstechers. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit seinem Künstlerkollegen Merian bei verschiedenen Illustrationsprojekten, unter anderem für den Thesaurus philo-politicus (ab 1623), scheint sich Furcks kennerschaftliche Darstellung der Physiognomie und des durchdringenden Blicks des Porträtierten zu begründen. Die Kreuzschattierung im Hintergrund bildet eine Nische, die die Büste des Porträtierten in dreidimensionaler Wirkung hervortreten lässt. Wie aus Metall gegossen erscheinen die Falten auf seinem Gewand. Besonders beachtlich ist die minutiöse Ausführung kleinster Details unter dem breiten Kragen. Typisch für Furck ist die medaillonförmige Rahmung des Porträts. Die Signatur und Beischrift von Sebastian Furck befindet sich unten links auf dem Blatt. Rechts, auf der gleichen Höhe, erscheinen die Initialen Ludwig von Hörnigks. Im Widmungsgedicht wird dem ‚unsterblichen‘ Matthäus Merian gehuldigt.

Der Schöpfer des Porträts ist Sebastian Furck (um 1600-1655), der fast vierzig Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main verbracht hat. Nach einer Lehre bei dem Kupferstecher und Verleger Eberhard Kieser ließ sich Furck in Frankfurt nieder und wird somit als Lokalkünstler bezeichnet und geehrt. Demzufolge dürfte er im Laufe seines Aufenthaltes einen Blick in das politische Leben und die sozialen Verhältnisse der Stadt geworfen haben. Der Porträtstich wurde zu Furcks Hauptbetätigung, die in Anbetracht seiner Sauberkeit und des Fleißes der Ausführung anerkannt wurde. Neben vielen Porträts lokaler Autoritäten oder politischer Berühmtheiten ist Furck auch ein Gedächtnisporträt des in Frankfurt tätigen Malers Georg Flegel zu verdanken. Die Intention seines langen Aufenthaltes im 17. Jahrhundert in Frankfurt wird überdies die Tätigkeit bei der Herstellung von Buch-Illustrationen gewesen sein. Mindestens ein Titelblatt für ein Alchemiebuch ist für Sebastian Furck nachgewiesen (1642).

Tatiana Kultikova


Literatur

Hollstein, German engravings Bd. 9, Nr. 118, S. 118; Akat. Merian 2003, S. 100

Zu Furck:

Gwinner 1862, S. 85, 121-123; Müller, Bernhard, Sebastian Furck, Kupferstecher und Contrafaiter von Frankfurt a. M., in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 25 (1899), S. 187-252; Zülch 1935, S. 509; Bock, Henning, Eintrag Furck, Sebastian, in: https://www.deutsche-biographie.de/sfz18095.html

Sebastian Furck und Alchemie siehe, Furck, Titelblatt für (Sala, Angelus), Angeli Salae Vicentini Chymiatri Candidissimi Et Archiatri Megapolitani Opera Medico-Chymica Quae Extant Omnia, Frankfurt: Johann Beyer 1647 siehe HAB Wolfenbüttel