Armillarsphäre

Armillarsphäre mit Handgriff (Messinstrument), um 1500, Durchmesser 16 cm, Länge 35 cm, Leihgabe der Stadt Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Sammlung Waffen und Jagdkultur, Wiss. Instrumente und Medizingeschichte, Inv. Nr. WI23

Die hier gezeigte Armillarsphäre mit Handgriff ist ein mittelalterliches Instrument zur Berechnung der Konstellation von Planteten und Sternen, das außerdem zu Lehrzwecken diente. Es entstand um 1500 und ist heute in der Sammlung Waffen und Jagdkultur, Wissenschaftliche Instrumente und Medizingeschichte des Germanischen Nationalmuseums vertreten. Die Leihgabe der Stadt Nürnberg an das Nationalmuseum ist ein seltenes Einzelstück.[1]

Armillarsphären sind vereinfachte Himmelsglobusse, deren Metallbänder die Umlaufbahnen der Sterne darstellen. Die weit verbreiteten Hilfsmittel zur Erkundung der Zusammenhänge von Erde, Planeten und Sternen existierten bereits im klassischen Altertum. Im Zuge der Entwicklung und Kopernikanischen Lehre des heliozentrischen Weltbildes entwickelten sich die Armillarsphären zwangsläufig dramatisch weiter: Der anfänglich in der Mitte des Himmelsglobus angebrachte Erdball wurde nun gegen das kleinformatige Modell der Sonne ausgetauscht.[2] Das hier gezeigte Objekt aus der Zeit um 1500 entspricht noch dem geozentrischen Weltbild. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Teleskop eingeführt wurde, entwickelten sich die Armillarsphären in der Folgezeit immer mehr zu Schau- und Demonstrationsobjekten und prunkvollen Statussymbolen reicher Adelsfamilien, für welche sie eigens angefertigt wurden.[3]

Das in Nürnberg befindliche Objekt besteht aus Messing, der Handgriff ist aus Holz. Mit einem Durchmesser von 16 Zentimetern ist die Armillarsphäre ein eher kleinformatiges astronomisches Instrument. Es sind keinerlei Abnutzungen erkennbar, der Himmelsglobus scheint in einem guten Zustand zu sein. Der hölzerne Griff ist aufwendig geschnitzt und gedrechselt, dadurch wirkt er eher unhandlich. Die verschiedenen Kreise aus Messing sind sehr fein gearbeitet und mit Bezifferungen und kleinen Verzierungen versehen. Die Kreise sehen aus wie Messingbänder, welche um den Handgriff gelegt wurden. Sie stehen in einer bestimmten Konstellation zueinander und können je nach Anwendungsziel verändert werden. Eines dieser Bänder, das dickste, steht für den Tierkreis und hat eine zwölffach wiederholte Gradteilung.[4]

Zwei besonders wichtige Kreise sind zum einen der Meridiankreis sowie der Kreis für den Horizont. Am Meridiankreis sind die restlichen Kreise angebunden, sodass man die einzelnen Kreise bewegen kann. Die Kreise, welche mit dem Meridiankreis verbunden sind, stellen den Äquator, die Pole mit Polarachse, die Polarkreise und Wendekreise sowie den Horizontkreis dar. Außerdem gibt es vier Jahrespunkte, durch die die beiden Kolurkreise gehen. Dieser ist wie der Kreis des Äquators in Grade eingeteilt. Jene sind wiederum durch Fünferschritte gekennzeichnet und sehr genau bearbeitet, wodurch sie sich von den anderen Kreisen, die eher in geringerem Maße ausgearbeitet wurden, unterscheiden.[5]

Man kann Armillarsphären durchaus als Vorreiter und Miniaturvariante der uns bekannten Sternwarten bezeichnen. Als Attribut stehen Armillarsphären seit dem Mittelalter symbolisch für die Sternenkunde und wurden auch als solches oft in Handschriften zur Astronomie und in Büchern des 16. und 17. Jahrhunderts abgebildet.[6] Besonders oft erscheinen Abbildungen der Armillarsphären jedoch auch im Zusammenhang mit Hermes Trismegistos, dem mutmaßlichen Erfinder der Alchemie, wie zum Beispiel in der Sammelschrift Symbola aureae mensae duodecim nationum des Arztes und Alchemisten Michael Maier von 1617. Da die laborantische Alchemie ohne die Berücksichtigung der Sternenbewegung nicht möglich ist, war Hermes Trismegistos selbstverständlich in dieser Kunst bewandert.[7] Schließlich lässt sich allerdings nicht genau sagen, worauf die Hermes Ikonographie mit Armillarsphäre zurückzuführen ist. Einerseits liegt also nahe, dass dieselbe mit Hermes‘ Bedeutung als Astrologe zusammenhängt. Außerdem wird Hermes Trismegistos das eingeweihte Verständnis der Verbindung des Mikro- und Makrokosmos nachgesagt, was durch die Armillarsphäre abgebildet werden soll.[8]

Franka Marlene Schlupp


Literatur

Ulmer Geographia des Ptolemäus von 1482. Zur 500. Wiederkehr der ersten Atlasdrucklegung nördlich der Alpen (Schwörhaus Ulm), Akat., hg. von Karl-Heinz Meine, Weißenhorn 1982, Abb. S. 44, 47f.; Focus Behaim-Globus (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), Akat., hg. von Gerhard Bott, Nürnberg 1992, Band 2, S. 518f.

Eintrag im Objektkatalog des GNM

weiterführend Armillarsphäre und Alchemie: Armillarsphäre im Besitz des sogenannten Wizard Earl, Henry Percy, 9th Earl of Northumberland (1564-1632), Italy?, c.1580, Oxford, History of Science Museum, Inv. 70229

Endnoten
  1. Vgl. Ulmer Geographia des Ptolemäus von 1482. Zur 500. Wiederkehr der ersten Atlasdrucklegung nördlich der Alpen (Schwörhaus Ulm), Ausstellungskatalog, hg. von Karl-Heinz Meine, Weißenhorn 1982, S. 44.

  2. Vgl. Focus Behaim-Globus (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), Ausstellungskatalog, hg. von Gerhard Bott, Nürnberg 1992, Band 2, S. 518f.

  3. Vgl. Akat. Ulmer Geographia 1982, S.48.

  4. Vgl. Akat. Focus Behaim-Globus 1992, S. 518f.

  5. Vgl. Ebd.

  6. Vgl. Ebd.

  7. Klosssowski de Rola 1988, S. 114.

  8. Vgl. Wels 2010, S. 180f.