Jan Brueghel d.Ä., Allegorie des Feuers, 1608

Jan Brueghel d.Ä. (1568-1625), Allegorie des Feuers, 1608, 46 x 66 cm, Öl auf Kupfer, Pinacoteca – Accademia Ambrosiana

Die Allegorie des Feuers schuf Jan Brueghel d.Ä. im Zyklus der vier Elemente im Auftrag von Kardinal Federico Borromeo (1564-1631). Das ‚Feuerbild‘ zeigt mit dem enzyklopädischen Interesse der Elementbilder den Erfindungsreichtum hochspezialisierter Handwerker, die mit Hilfe des Feuers und seiner Hitze geschmiedete Preziosen, medizinische Heilmittel, Porzellan und Rüstungen herstellen.

Aus der Fern- und Hochperspektive fällt der Blick ins Zentrum des Bildes auf einen in einen Fels geschlagenen Tunnel oder eine Höhle, in der sich eine Schmiede befindet. In der Schmiede biegen, schlagen und schleifen Männer in kraftvoller Zusammenarbeit und mit Hilfe von Werkzeugen wie Ambossen, Hämmern, Meißeln, großen Schleifsteinen, Sticheln und Zangen Metalle in neue Formen. Oberhalb der Schmiede hängt ein goldener Kronleuchter. Ein habsburgischer Doppeladler ziert den flämischen Leuchter und bezieht sich möglicherweise auf die Blütezeit der Künste in den Spanischen Niederlanden.[1] Im Vordergrund häuft sich eine reiche Sammlung von bereits hergestellten Kunstwerken an. Links vor der Schmiede stehen auf zwei Tischen Gefäße aus Silber, Gold und Porzellan, die auf aristokratische Ansprüche hindeuten.[2] Rechts der Tische türmt sich ein Berg aus Rüstungen auf. Im rechten Bildrand ist ein alchemistisches Labor mit Herd, Ofen und anderen Instrumenten zum Destillieren von Medikamenten und lebensspendenden Tinkturen aufgebaut. In einer Holzkiste stehen einige Fläschchen und Gläschen gefüllt mit alchemistischen Heilmitteln. Die Aufschrift mercuria corafatus fé (wahrscheinlich mercuria corfatus[3]) ist auf einem Gläschen erkennbar. Dabei handelt es sich um koralliertes Quecksilber, was als Balsam gegen Syphilis eingesetzt wurde. Ein Fläschchen, das mit Aurum potabile beschriftet ist, enthält eine Tinktur aus Trinkgold, die als Gegenmittel für die Pest Verwendung fand und zuweilen das ewige Leben versprach. In weiteren Gläsern befinden sich Mumiensalz sal momia und Medikamente aus Perlmutt und Koralle. Die dargestellten Heilmittel beziehen sich augenscheinlich auf die Betätigung des Alchemisten. Es ist nahe liegend, dass die Darstellung der Alchemie gleichfalls auf die transformierende Qualität von Jan Brueghels eigener Kunst – der Malerei, die Farben zu Gemälden transformiert – verweist.[4]

Noch deutlicher wird die Analogie von bildender Kunst und Alchemie in einer spezifischen Form der Mythenallegorese: Im Vergleich mit den Allegorien des Feuers, die sich in der Galleria Doria Pamphilj in Rom oder im Musée des Beaux-Arts de Lyon befinden[5], fällt auf, dass dort Aphrodite, Amor und Hephaistos in die Kulisse einfügt wurden (Abb.>). Die Schmiede mit alchemistischem Labor wird dort zur Darstellung des Hephaistos / Vulkans in der Schmiede, der eine Rüstung für Aphrodites / Venus‘ Sohn Aeneas anfertigt. In der Mitte des 16. Jahrhunderts etablierte sich Vulkan vor diesem Hintergrund zum Sinnbild des modernen Künstlers, der die Kunstfertigkeit und das Feuer des Ingeniums in sich vereint. „In seinen ab 1605 entstandenen Allegorien des Feuers interpretierte Jan Brueghel […] die Schmiede des Vulkan auch als Ort der Präsentation von aus der Alchemie hervorgegangenem Künstlerwissen.“[6]

In allen genannten Gemälden zeigt sich das Element Feuer jedoch nicht nur als gewaltiges Mittel von Schaffenskraft und Kreativität, sondern auch gleichermaßen von Zerstörung. Entsprechend brennt in Brueghels Mailänder Version in der Ferne lichterloh ein Haus. Riesige Flammen steigen in den nachtschwarzen Himmel auf. Zwischen Qualm, Rauch und Feuer fliegen Dämonen durch den Himmel, die als Anspielung auf die Geschichte des Hl. Antonius zu lesen sind, der sich selbst inmitten vom Flammen nicht hat vom Teufel in Versuchung führen lassen.[7]

Tess Ebert


Literatur

Ertz, Klaus, Jan Brueghel der Ältere 1568-1625. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Keulen 1979, S. 363-383, bes. S. 376; Nr.; Jones, P. M., Federico Borromeo as a Patron of Landscapes and Still Lifes: Christian Optimism in Italy, ca. 1600, in: The Art Bulletin 70, 1988, Nr. 2, S. 268-272; Akat. Fiamminghi e olandesi: dipinti dalle collezioni lombarde, hg. von Bert W. Meijer und Guiliana Algerie, Mailand 2002, S. 137-139; Woollett, Anne T., Venus und Amor in der Schmiede des Vulkan, ca. 1608-10, 53,8 x 94.3cm, Rom, Palazzo Doria Pamphilj, Inv. Nr. 332, in: Akat. Rubens & Brueghel. A Working Friendship, hg. von Anne T. Woollett und Ariane van Suchtelen, Los Angeles 2006, Kat. Nr. 17, S. 140-145

Weiterführende Literatur mit Bezug zur Alchemie:

Göttler 2008; 2013; 2014; 2017

Endnoten
  1. Vgl. Göttler 2014, S. 137.

  2. Vgl. dies, 2008, S. 39.

  3. Vgl. dies. 2013, S. 508.

  4. Vgl. dies. 2008, S. 40.

  5. Vgl. auch Jan Brueghel d.Ä.,Venus und Amor in der Schmiede des Vulkan, ca. 1608-1610, 53,8 x 94,3cm, Rom, Palazzo Doria Pamphilj, Inv. Nr. 332. In dieser Version bricht der Vulkan aus. Siehe auch Jan Brueghel d.Ä. und Hendrick van Balen, Allegorie des Feuers, 1606, 46 x 83 cm, Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Lyon, Inv. Nr. 75 (vgl. auch https://rkd.nl/en/explore/images/8043).

  6. Göttler 2014, S. S. 137.

  7. Vgl. Ertz, Klaus, Jan Brueghel der Ältere 1568-1625. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Keulen 1979, S. 376.